Warst Du schon einmal mit Antisemitischen Vorurteilen konfrontiert?
Wenn ja in welcher Form, bzw. Aussage und in welchem Zusammenhang?

Einige der Befragten gaben mehrere Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen an

11 Person beantwortete die Frage mit

  • Nein oder nicht bewußt

  • in meinem persönlichen Umfeld habe ich so etwas noch nie mitbekommen – Juden sind Menschen wie Du und ich (diese Haltung kam in fast allen Fragebögen zum Ausdruck).
     

37 Personen wurden mindestens einmal oder mehrmals direkt mit solchen Vorurteilen und / oder Verschwörungsmythen konfrontiert
(ausführlichere Beispiele sind in einem gesonderten Teil aufgeführt)

  • im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien / -mythen
    mehrfach: etwa beim Terroranschlag auf das World Trade Center (09/11)
    oder während der „Flüchtlingskrise“ 2015 (die Juden seien schuld, die haben das eingefädelt, die Ereignisse seien Teil einer Verschwörung, Ziel sei u.a. der Austausch der deutschen Bevölkerung durch Muslime).

  • während eines Gesprächs mit einem jungen Mann aus Algerien über Politik und globale Themen wie Krieg und Klimakrise.

  • Verschwörungsmythen wie die als Fälschung entlarvten „Protokolle der Weisen von Zion“, die angeblich ein Treffen der Führer des Weltjudentums zur Übernahme der Weltherrschaft protokollieren sollen oder zu Freimaurern und „jüdischer Weltherrschaft“

  • Juden und Geld, Juden seien grundsätzlich reich, Geldgier und Geiz, der reiche Jude, der nach Macht strebende Jude etc.
    Teilweise von älteren Familienangehörigen: „Juden verstehen sich gut aufs Geldverdienen, nutzen andere aus“.

    Einer Teilnehmerin wurde von einem Angestellten eines großen Unternehmens ein Vorurteil genannt, das in dieser Branche noch des Öfteren geäußert wird: Juden sind clever, ziehen dich finanziell über den Tisch, werden schnell reich in Deutschland. Kooperieren nicht gerne konstruktiv mit anderen Betrieben...

  • „Das sind doch alles Juden“, als pauschalierend abwertende Aussage.

  • Über meine arabischen oder eher links orientierten Kontakte werde ich öfter mit anti-Israelischen Aussagen konfrontiert, die sich manchmal mit Antisemitismus vermischen (Gleichsetzung von Juden mit der Politik Israels), das ist für viele schwer zu differenzieren.

  • Von Intellektuellen mit einer undifferenzierten Kritik an der Politik Israels – oft im Zusammenhang mit der Kibbuz-Bewegung und Siedlungspolitik (auch hier die Gleichsetzung von Juden mit der Politik Israels)

  • In meiner Stadt (Tübingen ist gemeint) dominiert eindeutig linker Antisemitismus und der ist so widerlich wie der rechte – besonders widerlich: „die Juden haben aus Auschwitz nichts gelernt.“

  • In den Medienberichten, in Ausstellungen.

  • Ich habe als Studentin am Zuschauertelefon beim Fernsehen gearbeitet, da riefen regelmäßig Männer an, die versuchten, mir antisemitische Verschwörungstheorien zu erklären („die Weisen von Zion“) Ich denke, das in vielen Verschwörungserzählungen Antisemitismus eine bedeutende Rolle spielt.

  • Im Zusammenhang mit der Coronapandemie, Aussagen und Verschwörungserzählungen der Querdenker

  • In der Nachbarschaft von klassischen AfD-Wählern in Zusammenhang auch mit homophoben Aussagen

  • Witze, spöttische Bemerkungen in Halbsätzen

  • Eine weitläufige Angehörige fragte mich, warum ich mich als Christ mit jüdischen Orten beschäftige – auch dahinter steckt eine diffuse Ablehnung und fehlendes Verständnis für jüdische Religion und Kultur und für unsere deutsche Geschichte.

  • Ich war zutiefst schockiert als ich unsere Tochter Sarah nannte und ein Onkel sagte: Wie kannst du nur dem Kind diesen Namen geben. Weißt du, was für Zeiten wiederkommen können?

  • Mein Engagement in einer christlich-jüdischen Gesellschaft hat mich tatsächlich einmal in einem Bewerbungsverfahren gehindert eine Stelle zu bekommen. Die Nachfrage nach meinen privaten Beschäftigungen und auch die entsprechende Auskunft durch mich, war Grund genug meine Bewerbung abzulehnen. Auch habe ich beispielsweise in Gesprächen nach entsprechenden Anlässen, wie z.B. der Absage des Landespresseballs in Baden-Württemberg, der einmal auf einen 9. November, also den Gedenktag zur Reichspogromnacht fiel, massiv antisemitische Äußerungen erleben müssen. Ich verurteile diese Aussagen, aber versuche immer und immer wieder aufzuklären. Häufig stelle ich fest, dass Unwissen eine wesentliche Quelle des Antisemitismus ist.


Besonders scheinen antisemitische Aussagen / Haltungen auch an Schulen zuzunehmen – 14 Personen haben Erfahrungen damit gemacht:
In der Schule, meist mit leistungsschwächeren Schüler*innen (sowohl mit deutschen als auch Jugendlichen mit Migrationshintergrund) und mit Schüler*innen mit fundamentalistisch islamischem Hintergrund. Abwertend wird z.B. „du Jude“ als Schimpfwort, aber laut Schüler*innenaussagen auch „spaßhaft“ gebraucht.
Auch im Elternhaus und Freundeskreis, von arabischstämmigen Schüler*innen wird die Politik Israels im Gazastreifen etc. heftig kritisiert und dabei antisemitisch besetzt. Eine Lehrerin merkt an: Hier kann ich nur versuchen, zu differenzieren zwischen Juden und Israels politischem Handeln.


Wenn ja, was denkst Du über diese Aussagen?

  • Derartige „Aussagen“ lösen bei mir Entsetzen aus

  • Finde ich dumm und unreflektiert

  • Widerlich! Absolut inakzeptabel! Erschreckend!

  • Ich denke, dass sie falsch sind und Ausdruck von Neid

  • Habe dafür kein Verständnis!

  • Ich halte von diesem Aussagen gar nichts und war tatsächlich verwundert, dass Menschen immer noch solch lächerliche Vorurteile gegenüber Juden und Jüdinnen haben.

  • Die Verbreitung von antisemitischem Verschwörungsglauben halte ich für gefährlich, aber schwierig zu bekämpfen

  • Angst macht mir das Erstarken extrem rechter Gruppierungen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass Juden auch von anderer Seite, nämlich von manchen arabisch-stämmigen Gruppierungen bedroht und angegriffen werden.

  • Ich bin bei solchen Sprüchen wie versteinert und kann das leider nicht gut kontern.

  • Ich habe kein Verständnis dafür, schon gar nicht vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte.

  • Es ist für mich sehr schwer auszuhalten, solche Nazisprüche zu hören.

  • Anders sind die kritischen Aussagen zum Staat Israel zu werten, wenn es um das Lebensrecht des palästinensischen Volkes geht. Aber auch in diesem Konflikt sind antisemitische Aussagen zu hören, die nur sehr schwer auszuhalten sind. Z.B. „Die Juden müssten alle im Meer ertränkt werden“.

  • Natürlich versuche ich immer dagegen zu argumentieren. Einzelne Vorfälle habe ich polizeilich gemeldet.

  • nein, das würde ich auch nicht zulassen.

  • In meiner gesellschaftlichen Blase ist das kein erkennbares Problem. Trotzdem erkenne ich bei mir, dass in mir Spuren von Vorbehalten bzw. Vorurteilen angelegt sind bzw. ich mir bewusst machen muss, dass ich manchen, sich anschleichenden negativen Assoziationen zu Juden nur durch bewusste Wahrnehmung und Kontrolle begegnen kann.

  • Ich denke, dass viele Redewendungen und Vorurteile (in uns) tief verwurzelt sind. Das betrifft nicht nur antisemitische Haltungen. Wichtig ist, dass man das reflektiert und auch bei sich selbst wachsam ist.

  • Es sind Vor – urteile, beruhen also nicht auf Wissen oder Erfahrungen.