Hast Du persönlichen Kontakt zu Jüdinnen und Juden?
Wenn ja, in welchem Zusammenhang: Freund*innen, Kolleg*innen, Familie, Schüler*innen, Geflüchtete oder …..

11 der mit Fragebogen befragten Personen antworteten unkommentiert mit:
Nein, oder nicht dass ich wüsste - auch in Gesprächen mit etlichen weiteren Personen im Zusammenhang mit dem Projekt wurde diese Frage verneint.

12 der befragten Personen antworteten wie folgt:
Ich kenne keine jüdischen Mitbürger persönlich, und wenn ich solchen begegnet bin, war mir dies nicht bewusst.
Stellvertretend für mehrere Äußerungen zu diesem Punkt die Antwort einer Teilnehmerin:
Nein, nicht wirklich. In der Schule hatte ich zwei aus Russland stammende jüdische Mitschülerinnen, aber sonst hatte ich nie wirklich Kontakt zu Juden oder Jüdinnen. Ich vermute aber, dass ich mehr jüdische Menschen kenne, als ich glaube. Ich weiß nur nicht, dass diese Juden oder Jüdinnen sind. Eigentlich spielt die religiöse Herkunft für mich keine Rolle.


28 der befragten Personen haben noch oder hatten über einen längeren oder zeitlich begrenzten Zeitraum Kontakte / Bekanntschaften mit:
jüdischen Freund*innen (1 Teilnehmerin erst, seit sie in den USA lebt) und / oder jüdischen Kommiliton*innen oder (entfernten) Bekannten oder Mitschüler*innen

Dabei wurde im Einzelnen genannt:

  • Ja, in der Vergangenheit beruflich, z.B. mit Zeitzeugen.

  • Arbeitskollegen

  • Von 2007 bis 2019 einen Arbeitsgruppenleiter, der aus Israel kam. Mit ihm habe ich viel über das Judentum gesprochen, er war nicht ausdrücklich religiös, ist aber mit seiner Familie und einer befreundeten Familie (welche katholisch ist) nach Israel gereist zur Bat Mizwah seiner ältesten Tochter.

  • Ja, aus dem Schiur; Freunde, die den Holocaust überlebt haben; auch Mitschüler*innen im Ivritkurs

  • Freund*innen, Besucher*innen aus Israel als Gastgeber im Rahmen des deutsch-jüdischen Kulturaustausches an der Tübinger Universität.

  • Durch meinem 8-monatigen Aufenthalt 1984 in Israel und meiner Arbeit in einem Kinderheim, in dem jüdische Kinder mit einer Behinderung lebten und betreut wurden, hatte ich teil am jüdischen Leben z.B. Gestaltung der Feiertage etc.

  • Ich hatte Schüler aus Israel, jüd. Schüler*innen aus Russland. Meine Freundin kommt aus einem Kibbuz. 2 weitere Freundinnen wohnen in Tel Aviv, die ich öfters besucht habe und die auch schon bei mir in Tübingen zu Besuch waren.

  • privat: jüdische Bekannte (Eltern von Schulfreunden der Kinder)
    beruflich: durch Veranstaltungen und im Rahmen von Objektübernahmen

  • In meiner Heimatstadt habe ich Kontakt zur jüdischen Gemeinde

  • In 2 jüdischen Gemeinden habe ich gute Bekannte und Freunde.

  • Ja, vor allem Freunde aus der Stuttgarter Gemeinde

  • Aktuell leider so gut wie keinen…. Aber unsere Tochter ging mit der Tochter von Michael Langer (Jontef) in die Grundschule, in dieser Zeit hatten wir dann auch privat vermehrt mit ihm sowie mit seinen Eltern Felicia Langer und ihrem Mann Moshe Kontakt.

  • Die Tübinger Familie Langer; Felicia und Moshe Langer, beide bereits verstorben; der Sohn Michael, Schauspieler und Musiker.

  • Revital Herzog, Künstlerin.

  • Ja, aber nur meine Bekannte aus Studienzusammenhängen

  • In jungen Jahren einen Freund

5 der befragten Personen hatten sporadischen oder einmaligen (manchmal besonderen) Kontakt

  • Bisher nur ein persönlicher Kontakt: während der Schulzeit Austausch mit einem Zeitzeugen des Holocaust. Prägende Erinnerung an das Gespräch und die emotionale Betroffenheit bis heute.

  • Ich habe in meinem Leben nur eine jüdische Person persönlich kennengelernt – eine Mitbewohnerin in einer WG. Das macht mich traurig, denn es gibt immer noch Gründe, warum kaum noch jüdische Menschen in Deutschland leben.

  • Eine meiner Lehrerinnen an der Dolmetscherschule war Jüdin. Sie verkörperte für mich die Europäerin schlechthin, da sie deutsche, französische, italienische und polnische Vorfahren hatte.

  • Ja, bei einer Führung in den beiden Synagogen in Mannheim und Hechingen.

  • Führung durch die Stuttarter Synagoge mit Schulklassen, Besuch eines Juden im Unterricht, Gespräche mit einem Juden in Derendingen

    Familiären Bezug haben 7 der Befragten:

  • meine verstorbene Frau hatte jüdische Wurzeln.

  • Verwandtschaft: Die Tante war einige Jahre mit einem Mann, der jüdische Wurzel hatte verheiratet. Er war Halbjude, hat einige Zeit im KZ Buchenwald verbracht; er konnte von dort während eines Transportes entkommen

  • Der 2. Mann meiner Mutter ist Jude, allerdings Ungar, der in Ungarn lebt. Die Verfolgung der Juden im 3. Reich war bei uns in der Familie immer Thema, auch z.B. aus Erzählungen meines Vaters aus seiner Kindheit. Mitglieder der Familie des 2. Mannes meiner Mutter sind von den Nazis ermordet worden.

  • Durch meine (Halb)-Tante (mit nicht praktizierende jüdischer, evtl. sogar getaufter Mutter). Diese Tante ist im Jahr 1900 lange vor meiner Mutter (*1921) geboren. Sie emigrierte mit ihrem Mann, der 1933 sofort seine Stelle verlor, nach Holland, kam nach Westerbork und Theresienstadt und hat überlebt. Ich (*1954) lernte sie als Kind kennen, als ich noch nichts von der Shoah wusste und habe sie auch nie danach gefragt. (Inzwischen aber weiß ich mehr).

  • Ich kenne / kannte ein paar jüdische Menschen persönlich, habe jedoch über das Judentum nie mit ihnen gesprochen.

  • Meine Tochter ist mit einem Israeli verheiratet und lebt in Israel, ich kenne die Familie, die Leute im Kibbutz etc. Meine Hebräischlehrerin hier ist inzwischen eine Freundin. Bei all diesen Personen spielt aber Religiosität keine große Rolle.

  • (Entfernte) Familienmitglieder, Z.B. Onkel, Nichte mit Verbindung in die jüdische Gemeinde Berlin (der jüdische Onkel wohnte nur kurze Zeit bei uns im Haus, wurde nicht besonders geschätzt. Er passte nicht ins dörfliche Leben, stammte aus Berlin, auch wegen seinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurde er eher angefeindet. Eine Traumatisierung seinerseits wurde nicht gesehen. Die Ehe wurde bald wieder geschieden, der Onkel als der Bösewicht dargestellt. Mein Onkel wurde mir sehr fremd.